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über Weingut Winter

Autor: Ursula Heinzelmann / vom 21. Februar 2016

 

In Rheinhessen hat sich in Sachen Wein in den letzten 15 Jahren unglaublich viel getan: Die Weinwelt weiß jetzt, wo Dittelsheim-Heßloch liegt. Fragezeichen im Gesicht? Mehr oder weniger mittendrin, wenige Kilometer östlich von Alzey. Und wir wissen, daß es dort tatsächlich eine Lage namens Leckerberg gibt. Den hielten wir sogenannte Experten ursprünglich nämlich eher für einen Witz. Doch Stefan Winter, der mit dem Jahrgang 2000 blutjung die Führung des Familienweinguts übernommen hat, wußte genau, was er tat, als er sich daran machte, den Charakter dieser kühlen, windigen Lage mithilfe des alten Rebmaterials seines Großvaters in Form von Wein herauszuarbeiten.

 

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„Auch wenn es von seiten meiner Eltern keinen Druck gab, war für mich eigentlich schon immer klar, daß ich beim Wein einsteigen würde. Aber mit 13, 14 haben mich dabei vor allem die Maschinen interessiert – Schlepper fahren! Mit Wein probieren hatte ich es überhaupt nicht. Noch als ich mit 17 meine Lehre anfing, habe ich höchstens mal was Süßes getrunken.“ Stefan Winter erzählt ganz unbekümmert von seinen Wein-Anfängen. Nicht ohne Grund, denn dann trat er bei Klaus Keller in Flörsheim-Dalsheim an, einem der Pioniere des neuen Rheinhessens, dem daran lag, das Potential der verächtlich als Rübenäcker bezeichneten Weinbergslagen des Hügelllands unter Beweis zu stellen. „Solche Fälle wie dich hatten wir schon öfter“, versprach der seinem Lehrling, „nachher trinkst du nur noch trocken!“

 

Das war zweifellos der Ausgangspunkt für die heutige Entwicklung des inzwischen zu anerkannten Ruhm und Ehren aufgestiegenen Weinguts, das bis zur Übernahme durch Stefans Vater 1990 noch ein gemischter Landwirtschaftsbetrieb war. Bereits die Großeltern vermarkteten neben Faßware auch Flaschenwein, regionaltypisch aber vor allem einfache Literqualitäten. Stefan reduzierte als erstes in den besten Lagen die Erträge, Voraussetzung für charaktervolle Weine. Er verzichtete ganz auf Mineraldünger und bestand auf präzise Weinbergspflege, selektive Handlese und extrem schonende Verarbeitung der Trauben. Das Ergebnis kann man schmecken, vom einfachen Gutswein bis zum Spitzenstoff aus dem Leckerberg – Stefans Weine brauchen weder übermäßig viel Alkohol noch Restsüße, um ihre Geschichte mitten aus der Mitte Rheinhessens zu erzählen. Hinhören lohnt sich!

 

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Es gibt ja viele Expertenratschläge zum Thema Wein zum Essen. „Der“ richtige Tropfen zum dem und dem Essen... Ich bin da als Sommelière (also die, die in einem Restaurant fürs Füllen der Gläser im direkten und indirekten Sinn zuständig ist) nicht ganz unschuldig. Redakteure stehen auf Ratschläge dieser Art. Inzwischen fällt mir dazu allerdings vor allem eins ein: nette Anregung, könnte passen, muß aber nicht. Denn erstens ist die Beschaffung exakt dieses bestimmten Weins (Produzent, Jahrgang) wahrscheinlich Streß. Zweitens ist meine Art, Bolognese zu kochen (oder zu was auch immer der gute Tropfen nun passen soll) zweifellos ein bißchen anders als Eure, selbst mit Rezeptangabe (andere Tomaten, Hackfleisch von einem anderen Tier). Und vor allem: Ihr selbst seid nicht ich. Ich weiß, letzteres klingt schräg. Aber: jede(r) einzelne von Euch bringt etwas ganz anderes an geschmacklichen Erfahrungen und Vorlieben mit, und das hat alles und genau so seine Berechtigung. Was heißt: Ihr selbst dürft, müßt und könnt entscheiden, was Euch schmeckt – hurra!

 

Nach dieser langen Vorrede: hier sind zwei Weine von Stefan Winter, mitten aus der Mitte Rheinhessens (das Anbaugebiet zwischen Mainz und Alzey, grob gesagt). Beide aus dem Jahrgang 2014, als die Weine eher ein wenig frischer ausgefallen sind, und glücklicherweise nicht mehr blutjung (auch Wein braucht Zeit, um sich zu sortieren im Leben).

 

Der Riesling ist der Muntermacher. Er verleiht vielleicht nicht wortwörtlich Flüüügel, wirkt aber mit seinen saftigen Grapefruitaromen so energetisierend wie ein frisch gepreßter Smoothie – und schlägt zum Käse jede Art von Chutney- und Feigensenfgedöns.

 

Der Grauburgunder ist der Schmeichler, bringt zugleich mehr Kremigkeit und Substanz auf den Teller bzw. ins Glas. Er erinnert an getrocknete gelbe Früchte und einen Abend am Kamin, ohne sich dabei in dekadenter Schwere zu verlieren. Zum Käse ersetzt er die Scheibe Nußbrot...

 

Mir gefallen beide; je nach Stimmung, Großwetterlage und Energielevel. Probiert selbst.

 

Mehr Informationen zum Weingut Winter: weingut-winter.de

Oder im Artikel der Frankfurter Allgemeine